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Zip sagt die Wahrheit

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Zip sagt die Wahrheit

Zip war das schnellste Kaninchen im Kleefeld. Er konnte so schnell starten, stoppen und sich drehen, dass seine Schnurrhaare kleine Kreise in die Luft malten. Seine Schwester Dot versuchte, ihn nachzuahmen, aber sie purzelte gewöhnlich kichernd in die Butterblumen.

Eines ruhigen Morgens fand Zip eine lichte, stachelige Stelle in der Hecke. Er knabberte und kratzte, bis er ein kleines, geheimes Loch gemacht hatte. "Nur für Notfälle", flüsterte er und spähte in einen sicheren Graben auf der anderen Seite. Er kannte die Regel: keine neuen Türen, ohne es den Ältesten zu sagen. "Es ist nur ein kleines Loch", sagte er sich, und er erzählte es niemandem.

Nach dem Frühstück trafen sich die jungen Kaninchen, um Flitz-und-Frier zu spielen. Der alte Dachs, der half, die Wiese sicher zu halten, watschelte herüber und klopfte mit seiner Pfote auf den Boden. "Denkt daran", sagte er, "benutzt die markierten Tunnel. Keine Überraschungen unter der Erde." Zip schaute auf seine Zehen. "Ich habe keine neuen Löcher gemacht", murmelte er, obwohl sich seine Ohren heiß anfühlten.

Sie rannten zwischen Kleeblüten und hüpften über eine Reihe von Gänseblümchen. Dann hielt Dot an, die Nase zuckte. Ein rotes Schnurrhaar streckte sich aus dem hohen Gras. Augen wie Bernsteinperlen beobachteten. Rost der Fuchs!

"Fuchs!", quiekte Dot. Zip klopfte die Warnung – Klopf-klopf! – und die Kaninchen stoben auseinander. Sie schossen auf den großen Bau bei der Eiche zu, die Füße trommelten auf die Erde wie Regen.

Aber ein kaputtes Zaunfeld war über ihren Weg gefallen. Es bildete eine kratzige Mauer. Rost schlich näher, der Schwanz streifte das Gras. Seine Pfoten waren lautlos. Sein Grinsen war es nicht.

Zips Herz schlug schnell-schnell. Er kannte einen anderen Weg – das geheime Loch. Er schluckte. Er mochte das Wort nicht, das seine Zunge kitzelte: Lüge. Die Kaninchen blickten ihn an, vertrauensvoll.

Zip stand für einen winzigen Moment groß da. "Ich kenne einen Weg!", rief er. "Ich habe ein Loch in die Hecke gemacht. Es tut mir leid, dass ich es nicht gesagt habe. Folgt mir!"

Er zickte nach links, er zackte nach rechts. Rost stürzte sich dorthin, wo Zip einen Augenblick zuvor gewesen war. Zip schlidderte so schnell zum Halt, dass der Fuchs ausrutschte, Schnauze voran in ein Büschel Klee. Die Kaninchen flitzten hinter Zip her, ihre Ohren flach, ihre Augen hell.

Sie erreichten die Hecke. Das geheime Loch war klein. Dot zwängte sich hinein – ratsch! – und blieb auf halbem Weg stecken. "Schieb!", quiekte sie. Zip und zwei Freunde scharrten und weiteten die Ränder mit schnellen, vorsichtigen Pfoten.

Der alte Dachs kam schnaufend an. Er machte kein Aufheben und runzelte nicht die Stirn. Er stemmte seine breite Schulter neben Zips und sagte: "Zusammen jetzt." Ratsch-ratsch-ratsch! Dot ploppte hindurch, dann die anderen, und schließlich quetschte sich Zip in den kühlen Graben, genau als Rosts Nase an der stacheligen Lücke schnüffelte. Zu klein für einen Fuchs. Zu schlau für einen Fuchs.

Sie atmeten. Sie blinzelten. Die Butterblumen nickten, als ob sie verstanden.

Zip bürstete Erde von seinen Schnurrhaaren. "Ich hätte die Wahrheit sagen sollen, als ich das Loch gemacht habe", sagte er mit kleiner, aber fester Stimme. "Ich hatte Angst, Ärger zu bekommen."

Der alte Dachs nickte. "Die Wahrheit hält uns sicher, weil sie uns zusammen planen lässt", sagte er. "Du hast es uns gesagt, als es wichtig war, und das war tapfer. Nächstes Mal, sag es uns früher."

Sie gingen zurück und reparierten das Heckenloch ordentlich – breit genug für Kaninchen, eng genug, um einen Fuchs zu stoppen. Sie markierten es mit einem Ring aus glatten Kieseln, damit jedes Kaninchen Bescheid wusste.

Später, als ein Schatten flackerte und das Klopf-klopf wieder erklang, versteckte Zip keine Geheimnisse. "Heckentür! Drei auf einmal!", rief er. Die Kaninchen zischten in einer ordentlichen Reihe hinein, und Rost fand nur Staub und Gänseblümchenblätter, wo Kaninchen gewesen waren.

Zip rannte immer noch schnell, vielleicht schneller als der Wind – aber seine Worte liefen wahr. Im Kleefeld machten schnelle Füße und ehrliche Stimmen die klügsten Fluchten von allen.

Ende

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