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Willows große Überquerung

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Willows große Überquerung

Willow war ein junges braunes Pferd mit einem weichen weißen Stern auf der Stirn. Seine Nase war samtweich warm, und seine Mähne stand hoch wie ein Pinsel. Er liebte es, Schmetterlinge zu jagen und süßes Wasser aus Pfützen zu schlürfen. Aber es gab eine Sache, die Willow nicht liebte: hohe, wackelige Dinge.

An einem hellen Morgen brach die Herde auf. Königin Ahorn, die weise Leitstute, schritt stolz an der Spitze. Staub wirbelte auf, Schweife wedelten, und das Geräusch ihrer Hufe war wie sanfte Trommeln: tum, tum, tum. Sie reisten zur Hohen Graswiese, einem weiten, grünen Ort jenseits des blauen Flusses.

Der Pfad schlängelte sich durch Birken und sonnige Felsen. Ein Kaninchen hoppelte hinüber. Ein Rotkehlchen sang von einem Zaunpfahl. Als sie den Fluss erreichten, machte Willows Herz einen Sprung. Das Wasser rauschte und kicherte. Eine lange Holzbrücke streckte sich darüber, schmal wie ein Schwebebalken und voller kleiner Knarrgeräusche.

Wolke, ein großes graues Pferd, ging zuerst. Klipp, klapp. Die Bretter wackelten ein wenig, aber hielten. Dann Wacholder, dann Pip, dann Distel das Fohlen, alle überquerten mit den Ohren nach vorn und die Schweife hebend wie Fahnen.

Willow kam zum Start der Brücke und hielt an. Seine Beine fühlten sich an wie zwei Stöcke und zwei Nudeln. Das Wasser glänzte mit wackeligen Bildern. Er sah sein eigenes Gesicht sich kräuseln wie einen Fisch.

"Ich... ich glaube nicht, dass ich kann", flüsterte er.

Distel drehte sich um und rief: "Du kannst es, Willow! Ich warte auf der anderen Seite!"

Königin Ahorn trat zurück auf die Brücke. Ihre Augen waren ruhig wie ein Teich. "Atme", sagte sie und blies einen warmen Hauch gegen Willows Wange. "Langsame Schritte. Ich bin bei dir."

Willow machte einen Huf-Schritt. Das Brett antwortete mit einem winzigen Quietschen.

"Hallo, Brett", sagte Willow mit kleiner Stimme.

Er machte einen weiteren Schritt. Klipp. Klapp. Er lauschte dem Takt und machte ein Lied in seinem Kopf.

"Klipp, klapp, nicht schlapp", murmelte er. "Klipp, klapp, nicht schlapp."

Die Brücke wackelte. Ein buntes Blatt flitzte hinüber wie eine kleine gelbe Maus. Wind zupfte am Haar von Willows Mähne. In der Mitte der Brücke fühlte sich alles groß und laut an – das Rauschen des Wassers, das Ächzen des Holzes und sein eigener schneller Atem.

Er erstarrte.

"Ich kann nicht", sagte er wieder, ein bisschen lauter.

Königin Ahorns Schulter berührte seine. "Du hast es schon getan", sagte sie. "Hör auf deine Hufe."

Willow senkte den Kopf und schnupperte am Brett. Es roch nach Sonne und Regen. Er drückte mit seinem Huf nach unten. Das Brett bog sich nicht. Es gab nur ein weiteres höfliches Quietschen.

"Okay", sagte Willow zum Brett. "Okay", sagte er zu sich selbst.

Von der anderen Seite begann die Herde auf Pferdeart zu jubeln – sanftes Wiehern und fröhliches Schnauben.

Distel rief: "Klipp, klapp, nicht schlapp!"

Ende

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