Tante Grün, Tante Braun und Tante Lila
In einer sonnigen kleinen Stadt stand ein ordentliches gelbes Haus mit einem grünen Tor. Drinnen lebten drei Tanten, die so unterschiedlich waren wie ihre Kleider. Tante Grün trug von Hut bis Schuhe Grün und liebte alles, was wuchs. Tante Braun trug Braun und hielt das Haus warm und geschäftig mit Backen und Flicken. Tante Lila trug sanftes Lila und mochte hübsche Dinge, sanfte Manieren und guten Tee.
Zwei Kinder lebten bei ihnen – Peter und Lotta. Als Peter und Lotta sehr klein waren, nahmen die Tanten sie auf und liebten sie, als wären sie ihre eigenen. Die Kinder nannten sie immer Tante Grün, Tante Braun und Tante Lila, weil das die Farben waren, die sie trugen.
Es gab auch Onkel Blau. Er hatte einen schicken blauen Mantel, glänzende Knöpfe, einen hohen Hut und einen Gehstock, der auf der Straße klickte. Er sprach freundlich, aber bestimmt und kümmerte sich um alle, besonders um Peter und Lotta.
An einem strahlenden Morgen zeigte Tante Grün Peter und Lotta, wie sich die Rosen zur Sonne öffneten. „Pflanzen mögen sanfte Hände", sagte sie und gab ihnen kleine Gießkannen. Sie besprengten die Erbsen und Bohnen, und Tante Grün lächelte, als das Wasser wie winzige Sterne glitzerte.
In der Küche knetete Tante Braun Teig für Brötchen. „Drücken, falten und klopfen", sagte sie den Kindern. Peters Teig wurde zu einem klumpigen Bären. Lottas sah aus wie ein dicker Vogel. Tante Braun lachte und legte sie auf das Blech. „Brötchen schmecken am besten, wenn Hände mitgeholfen haben."
Im Salon öffnete Tante Lila eine Schublade, die nach Blumen duftete. Sie zeigte Peter und Lotta ihre Spitzen, ihre Bänder und eine kleine, süß klingende Spieluhr. Sie lehrte sie, bitte und danke zu sagen, sich zu verbeugen und zu knicksen und Tassen zu tragen, ohne zu verschütten. „Sanfte Hände und sanfte Stimmen", erinnerte sie.
Vor dem Mittag klopfte Onkel Blau mit seinem Stock. „Hüte auf! Stiefel geschnürt! Wir gehen in die Stadt." Tante Braun nahm ihren großen Korb. Tante Grün nahm eine kleine Tüte Samen. Tante Lila band ein neues violettes Band an ihrem Hals.
Die Straße hinunter gingen sie. Jeder kannte sie. „Guten Tag, Tante Grün! Guten Tag, Tante Braun! Guten Tag, Tante Lila! Guten Tag, Onkel Blau!" riefen der Bäcker, der Briefträger und der Laternenanzünder.
Auf dem Markt kaufte Tante Braun Mehl, Zucker und etwas Honig. Tante Grün wählte Samentütchen: Karotten, Ringelblumen und Erbsen. Tante Lila fand eine Spule mit hübschem Faden. Onkel Blau kaufte zwei Pfefferminzstangen und steckte sie mit einem Zwinkern in Peters und Lottas Taschen.
Am Brunnen weinte ein kleines Mädchen neben einem Puppenwagen. „Mein Rad wackelt", schluchzte sie. Peter kauerte sich hin. Lotta hielt den Wagen fest. Onkel Blau band das Rad fest mit einem Stück starkem Bindfaden. „Da!" sagte er. Das kleine Mädchen hörte auf zu weinen und lächelte. Tante Lila strich ihr über das Haar. Tante Braun gab ihr ein Brötchen. Tante Grün zeigte ihr, wie man den Wagen sanft schiebt, damit er nicht umkippt. Helfen fühlte sich warm und glücklich an.
Auf dem Heimweg folgte ihnen ein struppiger Hund und schnüffelte an Tante Brauns Korb. „Du armes Ding, du bist hungrig", sagte Tante Braun. Sie brach ein Brötchen entzwei und teilte es. Der Hund wedelte mit dem Schwanz und trottete zufrieden davon.
Zurück im gelben Haus tranken sie Tee im Garten. Der Tisch stand unter dem Apfelbaum. Tante Braun brachte die warmen Brötchen und Marmelade. Tante Grün stellte einen Krug Blumen in die Mitte. Tante Lila goss Tee in die besten Tassen. Peter und Lotta reichten die Teller sehr vorsichtig. Spatzen hüpften in ihrer Nähe, und die Kinder krümelten ein wenig Brot für sie.
Später spielte Onkel Blau eine Melodie auf seiner Flöte. Peter und Lotta tanzten im Kreis, während die drei Tanten klatschten. Die Sonne sank tiefer, die Schatten wurden länger, und die Luft roch nach Rosen und frischem Brot.
Als der Abend kam, zog Tante Grün die Vorhänge und überprüfte die verschlafenen Geranien auf der Fensterbank. Tante Braun steckte Peter und Lotta ins Bett und glättete ihre Decken. Tante Lila küsste ihre Stirnen und flüsterte: „Süße Träume." Onkel Blau setzte seinen Hut auf den Stuhl und sagte: „Schlaft gut, Kleine. Morgen wird ein guter Tag."
Peter und Lotta schlossen die Augen. Sie träumten von grünen Gärten, warmen Brötchen und einem violetten Band, das in der Brise flatterte, während das gelbe Haus mit dem grünen Tor ruhig ruhte, bewacht von Tante Grün, Tante Braun, Tante Lila und Onkel Blau.











