Geschichtenbot
Schnurrhaare gemeinsam
An einem hellen, windigen Morgen streckte sich ein Kater namens Saffron im kleinen gepflasterten Hof. Sein Fell hatte die Farbe von geröstetem Brot, und sein Schwanz kringelte sich wie ein Fragezeichen. Seine Schnurrhaare zuckten zuck-zuck. Er mochte es, allein an Orte zu gehen, begierig zu sehen, was drüber, drunter und dahinter war.
Saffron schlüpfte mit einem weichen Hopser durch das Gartentor. Er tapste an rot leuchtenden Tomatentöpfen vorbei, unter einer Wäscheleine, wo blaue Jeans wie langsame Vögel flatterten, und nahe einem Karren, der nach warmem Brot und süßen Äpfeln roch. Er kletterte auf eine niedrige Mauer und ging darauf entlang, vorsichtig und stolz.
Auf der Mauer voraus saß eine andere Katze, eine kleine graue mit hellen, nachdenklichen Augen. Sie saß sehr still, als ob sie der Sonne zuhörte.
"Morgen", sagte Saffron.
"Morgen", sagte die graue Katze. "Ich bin Bluebell."
"Magst du Abenteuer?", fragte Saffron.
Bluebell blinzelte. "Manchmal. Ich mag auch ruhige Orte. Das Dach ist schön, wenn es warm ist."
Saffrons Schnurrhaare zuckten wieder. "Ich mag Dächer. Und Tore. Und die Spitzen von Karren. Und—"
Kling-kling.
Beide Katzen hoben ihre Ohren.
Kling-kling. Dann ein kleines, zittriges Maunzen.
"Hast du das gehört?", flüsterte Saffron.
"Habe ich", sagte Bluebell und glitt schon von der Mauer. "Komm."
Sie folgten dem winzigen Glockengeräusch zu einem Gartenschuppen, der neben einem Zaun aus hohen Sonnenblumen versteckt lag. Die Tür war zu. Unter dem Schuppen war ein schmaler, dunkler und staubiger Raum. Zwei helle Augen blinzelten im Dunkeln. Ein kleines schwarz-weißes Kätzchen war darin eingekeilt, ihre Pfote verheddert in einer Schnurschlaufe.
"Hilfe", maunzte das Kätzchen. "Ich bin Dot. Ich kam, um eine Feder zu jagen. Jetzt kann ich mich nicht bewegen."
"Wir können helfen", sagte Bluebell sanft. "Hallo, Dot. Ich bin Bluebell. Das ist Saffron." Sie legte sich hin, sodass ihre Nase nah bei Dot war. "Du bist sehr tapfer."
Saffron kauerte sich hin. Die Lücke war zu klein, als dass er sich hineinzwängen könnte. Er tippte mit einer vorsichtigen Pfote an die Schnur, aber er konnte sie nicht erreichen. Er entdeckte eine klappernde Gießkanne, die den Raum weiter unten blockierte, und schob sie mit einem klobigen Schaben weg. Er bewegte auch einen Tontopf. "Mehr Platz", sagte er.
Bluebell machte sich flach und glitt in den Raum. Ihre Schnurrhaare streiften den Staub. "Es ist ein Knoten", murmelte sie. "Halt ganz still, Dot. Atme langsam."
Saffron hielt Wache. Ein brauner Hund namens Pickle steckte seine Nase am Zaun hoch. "Wuff?", sagte er, neugierig und laut.
"Nicht jetzt, Pickle", sagte Saffron mit seiner freundlich-starken Stimme. Er pflückte einen roten Gummiball unter einem Busch hervor und schlug ihn mit einem Bums weg. Er sprang einmal, zweimal, dann rollte er den Pfad entlang. Pickles Augen leuchteten auf. "Ball!" Er trottete mit fröhlichem Schnauben und einem Wedel-Wedel-Schwanz hinterher.
Ende
