Olles Skifahrt
Die Welt war weiß und still. Schnee lag auf Dach und Straße, auf Baum und Zaun. Olle hatte sein allererstes Paar Skier. Sie waren hell und neu, und er konnte nicht aufhören zu lächeln. Seine Mutter wickelte ihn in seinen warmen Mantel, wollene Socken und rote Mütze ein.
"Bleib auf dem Pfad, kleiner Skifahrer", sagte sie. "Geh nicht zu weit. Komm vor Einbruch der Dunkelheit nach Hause."
"Mach ich!", sagte Olle, und los glitt er, wusch, wusch, über den weichen Schnee.
Der Wald stand hoch und still. Die Kiefern trugen dicke, weiße Hüte. Winzige Spuren kreuzten den Pfad – Hasenabdrücke wie kleine Kommas und Vogelzehen wie Sterne. Olles Atem machte Wolken in der kalten Luft. Seine Wangen kribbelten. Silber funkelte auf den Zweigen.
Ein winziger Mann mit einem frostigen Bart trat hinter einem Baum hervor. Er trug einen Mantel, der vor Eis glitzerte.
"Ich bin Väterchen Frost", sagte er und tippte auf Olles Nase. "Ich male die Fenster an und bestäube die Wälder mit Weiß. Komm mit. Jemand möchte den mutigen Jungen auf neuen Skiern sehen."
Olle folgte Väterchen Frost tiefer in die verschneite Stille. Sie kamen zu einer weiten, hellen Lichtung. Dort, auf einem hohen Thron aus Schnee geschnitzt, saß König Winter selbst. Er hatte einen langen weißen Bart und eine Krone aus Eiszapfen, die im leichten Wind ping, ping läuteten.
"Willkommen, kleiner Skifahrer", grollte König Winter. Seine Stimme war tief und freundlich. "Ich habe dir zugesehen, wie du so gut gleitest. Willst du mit mir fahren und mein Königreich sehen?"
Olles Augen wurden rund. "Ja, bitte!"
Ein Schlitten so weiß wie eine Schneewehe wartete neben dem Thron. Silberne Glocken sangen, als König Winter die Zügel schüttelte. Zwei weiße Rentiere stampften und warfen ihre Köpfe. Väterchen Frost hüpfte auf, um zu fahren, und Olle kuschelte sich unter eine weiche Felldecke.
Davon flogen sie über Felder und Flüsse, die wie Glas gefroren waren. Väterchen Frost schwang seinen Pinsel, und Farnblumen blühten auf Fensterscheiben. Der Nordwind raste mit ihnen mit und warf pudrigen Schnee in glitzernde Wolken. Über ihnen hing der Himmel blass und hell, und die Welt unten leuchtete blau und weiß.
Sie glitten an einem See vorbei, der unter Eis schlief, wo Fische im stillen Wasser träumten. Sie rutschten an Hecken entlang, wo Spatzen sich zusammendrängten und ihre Federn aufplusterten. Sie segelten unter hohen Klippen hindurch, die mit langen, klaren Eiszapfen gesäumt waren, die wie winzige Glocken läuteten.
"All das ist mein Werk", sagte König Winter lächelnd. "Ich verschließe die Bäche, ich lege den Schnee, ich poliere die Sterne in kalten Nächten."
Bald glitt der Schlitten zu einem großen Palast, gebaut aus Schnee und Eis. Drinnen hingen Eiszapfen wie kristallene Lampen. Die Hallen glänzten. Schneeflockenkinder kamen tanzend, jedes ein sternenklarer Splitter, weiß und lachend.
"Komm spielen!", sangen sie. "Komm rutschen und Schneebälle werfen!"
Olle rutschte über glänzende Böden und fuhr auf einem Schlitten einen glatten, verschneiten Hügel hinunter. Er half, ein winziges Haus mit Schneeblockwänden und einem Dach, das funkelte, zu bauen. Väterchen Frost zeigte ihm, wie man eine fallende Flocke auf seinem Fäustling fängt und ihre sechs winzigen Spitzen sieht.
Schließlich klatschte König Winter in die Hände. "Es wird spät. Deine Mutter wird an der Tür warten."
Sie kletterten zurück in den Schlitten. Die Rentiere flogen wie Pfeile, und die Glocken läuteten ein schnelles Lied. Am Randes des Waldes wurde das Licht rosa und gold.
"Ab nach Hause", sagte König Winter. Er legte eine kühle Hand auf Olles Mütze. "Komm uns wieder besuchen, solange der Schnee tief ist."
Olle glitt den Pfad hinunter, wusch, wusch, wusch, sein Herz leicht. Seine Mutter stand am Tor, und ihre Augen leuchteten, als sie ihn sah.
Tage vergingen. Die Sonne stieg höher. Tropf, tropf, tropf machten die Eiszapfen. Der Schnee wurde mittags weich und nachts krustig. Eines Morgens hörte Olle ein neues Geräusch – kleine Bäche, die unter dem Schnee lachten.
Den Weg hinunter kam Frau Tau. Sie trug einen blauen Umhang, der wie Wasser glänzte, und ihr Haar hatte die Farbe von warmem Sonnenschein.
"Guten Tag, Olle", sagte sie. "Mach Platz für meine Bäche und Blumen."
Sie berührte den Schnee mit ihrer sanften Hand, und er schmolz zu klarem Wasser. Die schwarze Erde lugte hervor. Im Garten drückten winzige grüne Spitzen nach oben. Schneeglöckchen läuteten ihre weißen Glocken leise.
Olle schaute zum Wald. Auf einem fernen Hügel hob König Winter seine Hand zum Abschied. Seine Eiszapfenkrone war jetzt dünner, und Väterchen Frost winkte ein letztes Mal mit seinem Pinsel.
"Auf Wiedersehen, König Winter!", rief Olle. "Danke für die Fahrten und die Spiele!"
"Schlaf deine Skier jetzt", flüsterte Frau Tau. "Du wirst sie wieder brauchen, wenn der Winter zurückkehrt."
Olle trocknete seine Skier und räumte sie sorgfältig weg. Dann rannte er zum Bach, um seinem Lied zu lauschen und nach den ersten Blumen zu suchen, glücklich, den Frühling zu begrüßen. Dennoch war er froh zu wissen, dass, wenn die Welt wieder weiß wurde, König Winter kommen würde, und er würde wieder wusch, wusch in die helle, kalte Magie skien.
Ende
