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Mutig auf dem Eis

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Mutig auf dem Eis

Tessa zog ihren Helm fest und betrat die Eishalle. Das Eis glänzte wie sauberes Glas. Die Luft fühlte sich knackig an, wie kalte Blasen auf ihrer Nase. Schläger machten klack-klack. Schlittschuhe sangen ein leises schhh-schhh.

Tessa spielte für die Blauen Klingen. Sie war die kleinste Spielerin in ihrem Team. Jamal war groß und schnell. Bao, der Torwart, trug große Polster und kicherte viel. Kapitänin Lina führte die Reihe mit einem Band an ihrem Schläger an.

Tessa liebte es zu skaten, wenn auch nicht immer so schnell. Letzte Woche stürzte sie und stieß sich das Knie. Jetzt, wann immer Trainerin Mia rief: "Wettrennen zur Bande!", wackelte Tessas Bauch.

Trainerin Mia skatete neben ihr. "Wir üben, mutig zu sein", sagte die Trainerin. "Mutig kann klein sein."

"Klein mutig?" fragte Tessa.

"Ein Gleiten, zwei Gleiten, Stopp", sagte die Trainerin. "Dann nochmal."

Tessa nickte. Ein Gleiten. Zwei Gleiten. Schneepflug-Stopp. Sie wackelte, fand dann aber ihr Gleichgewicht. Sie versuchte es noch einmal. Das Eis summte unter ihren Füßen. Ihr Bauch fühlte sich weniger wackelig an.

Am Spieltag waren die Tribünen voll. Glocken läuteten. Jemand schüttelte einen blauen Pompon. Die Anzeigetafel blinkte. Tessa sah Mama mit einem Fäustling winken. Opa hielt Kakao und ein breites Lächeln.

"Klingen auf drei!", rief Lina.

"Eins, zwei, drei—KLINGEN!", rief das Team zurück.

Der Puck fiel. Jamal sauste los. Lina passte mit einem knackigen Tippen. Bao blockte einen Schuss und sprang wieder auf wie eine Feder.

Tessa skatete den Flügel entlang. "Klack-klack!", rief Lina und bat um den Puck. Tessa streckte ihren Schläger aus. Ihre Hände fühlten sich kribbelig in ihren Handschuhen an. Sie zögerte, nur einen Wimpernschlag, und der Puck rutschte vorbei. Ein Spieler von den Donner-Bären fegte ihn weg.

Tessas Wangen wurden heiß. "Klein mutig", flüsterte sie. Ein Gleiten. Zwei Gleiten. Stopp. Sie drehte sich um und jagte dem Spiel hinterher.

Einen Moment später rutschte sie aus und kippte auf ihr Knie. Rums. Die Deckenlichter wackelten für eine Sekunde in ihren Augen. Sie holte Luft und schaute auf das Eis direkt vor ihren Schlittschuhen. Es war glatt und hell.

"Auf geht's", sagte Tessa zu sich selbst. Sie drückte ihre Hände auf das Eis und stand auf. Ihre Beine zitterten wie Nudeln, aber sie hielten.

Das Spiel war eng. Eins zu eins. Die Donner-Bären waren groß und schnell. Die Blauen Klingen waren flink und schlau. Die Menge klatschte in Wellen.

Dann passierte es. Ein Donner-Bär brach mit dem Puck aus, schnell wie ein sausender Zug. Jamal rutschte aus. Lina drehte sich. Bao hockte allein im Netz.

Tessa war am nächsten.

Ihr Herz machte bumm, bumm, bumm. Sie könnte sich hinter jemandem verstecken. Sie könnte an den Sturz von letzter Woche denken. Oder sie könnte ein kleines Mutig versuchen, das sich groß anfühlte.

Tessa stieß sich ab. Stoß. Stoß. Gleiten. Sie sammelte ihren Atem in ihrer Brust wie einen warmen Ballon. Ihre Schlittschuhe flüsterten. Ihr Schläger reichte. Tipp.

Sie berührte den Puck mit der Spitze ihres Schlägers. Er stieß zur Seite. Bao rutschte wie ein Seehund und bedeckte ihn mit seinem Handschuh.

Pfiiff! Die Pfeife blies.

"Du hast mich gerettet!", lachte Bao und klopfte mit seinem Handschuh auf Tessas Schulter.

Tessas Knie fühlten sich immer noch nudelig an, aber ihr Lächeln wurde breit. "Ich habe nur ein Gleiten, zwei Gleiten gemacht", sagte sie.

Trainerin Mia klatschte. "Das war absichtlich mutig."

In den letzten Minuten schickte die Trainerin Tessa wieder raus. "Du hast heute mutige Beine", sagte die Trainerin.

Der Schiedsrichter ließ den Puck fallen. Er rutschte frei. Tessa jagte ihm nach. Rutsch, rutsch, saus. Ein Donner-Bär versperrte ihr den Weg. Sie schaute nach links. Sie schaute nach rechts. Lina war frei beim Netz.

"Tessa!", rief Lina.

Tessa machte eine kleine Täuschung, dann tippte sie den Puck zu Lina. Lina schnippte ihr Handgelenk. Der Puck sauste am Torwart vorbei. Ding! Das Licht blitzte auf. Die Menge jubelte so laut, dass die Bande zitterte.

Die Blauen Klingen umarmten sich in einem glücklichen Haufen. Jamal johlte. Bao plumpste wie ein großes Kissen. Trainerin Mia klebte einen winzigen blauen Sternaufkleber auf Tessas Helm.

"Für mutiges Skaten", sagte die Trainerin.

Tessa berührte den Stern. Sie könnte immer noch manchmal fallen. Das war okay. Sie wusste, wie man aufsteht. Sie wusste, wie man es noch einmal versucht.

Sie schaute auf das helle, freundliche Eis und flüsterte: "Bis zum nächsten Mal."

Das Eis flüsterte zurück, schhh-schhh, als ob es auch lächelte.

Ende

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