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Mondlichtkarte

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Mondlichtkarte

Nia liebte Abenteuer. In einer ruhigen Nacht war der Himmel dunkelblau und voller silberner Sterne. Nia packte ihren kleinen Rucksack und legte vorsichtig einen Kompass (ein Werkzeug, das nach Norden zeigt), eine Laterne (ein Licht, das man trägt) und eine weiche Decke hinein. Sie war bereit für eine sanfte, mutige Reise.

Auf ihrer Veranda flatterte etwas an ihren Zehen vorbei. Es war eine Papierkarte! Sie schimmerte im Mondlicht wie eine Fischschuppe. Eine silberne Linie kurvte darüber zu einer winzigen Zeichnung einer Blume. Daneben standen in ordentlichen Buchstaben: Mondblumenwiese. Nia lächelte. Sie hatte noch nie eine Mondblume gesehen. Sie wollte sie entdecken.

Nia trat in den stillen Garten. Die Luft roch nach Minze und feuchter Erde. Grillen sangen leise. Ein Kaninchen tauchte aus dem hohen Gras auf. Seine Ohren waren lang und schlapp. "Ich bin Pip", schien er mit einem Hopser und einem Zucken zu sagen. Nia kicherte. "Komm mit mir, Pip." Zusammen folgten sie der leuchtenden Linie auf der Karte in Richtung Horizont (wo der Himmel den Boden zu berühren scheint).

Sie erreichten einen kleinen Bach, der sprudelte und sang. Die Strömung (bewegtes Wasser) zerrte sanft an treibenden Blättern. Nia stellte die Laterne auf einen Felsen. Sie fand glatte Steine und machte einen winzigen Pfad über das Wasser. Schritt, Schritt, Schritt. Pip balancierte mit vorsichtigen Pfoten, und Nia streckte ihre Hand aus. Sie überquerten zusammen, mutig aber vorsichtig.

Der Pfad führte tiefer in die Bäume. Die Nacht fühlte sich dort größer an, und Blätter machten leise, geheime Geräusche. "Flüstern" bedeutet, sehr leise zu sprechen, und die Bäume flüsterten tatsächlich. Nia holte tief Luft und hob ihre Laterne. Schatten tanzten, blieben aber freundlich. Ein blauer Vogel sauste zu ihnen herab. "Ich bin Bree", trillerte ihr Lied. Bree flog voraus und kreiste zurück, wie eine kleine Führerin. In der Stille hörte Nia ein Echo (ein Geräusch, das zurückprallt) ihres eigenen leisen Summens.

Plötzlich war ein winziger Igel in einer Ranke verheddert. "Oh!", sagte Nia. Pip hielt die Ranke mit seinen Zähnen, während Bree am losen Ende zerrte. Nia wickelte den kleinen Freund sanft aus. "Danke", piepste der Igel und blinzelte mit schläfrigen Augen. Teamarbeit machte das Schwere wirklich leicht.

Glühwürmchen trieben aus den Farnen und schufen einen Schimmer (ein kleines, weiches Licht). Ihre Lichter tanzten wie winzige Boote. Als sie voraus schwebten, wurde die silberne Linie der Karte heller. Nia, Pip und Bree folgten der leuchtenden Spur, bis sich die Bäume wie ein Vorhang öffneten.

Da war sie: die Mondblumenwiese. Die runden Knospen waren fest geschlossen, wie kleine Fäuste. Die Karte hatte eine weitere Notiz: Sing und warte. Nia lächelte. Sie begann, ein langsames, warmes Lied zu singen. Bree fügte hohe Töne wie Sterne hinzu, und Pip klopfte einen sanften Takt. Sie warteten mit ruhigen Herzen.

Eine nach der anderen entfalteten sich die Knospen. Blütenblätter öffneten sich wie Gähnen. Mondblumen leuchteten weiß und weich, und die Luft füllte sich mit einem süßen Duft, wie Honig und Milch. Die Wiese schien zu seufzen. Nia beobachtete still. Sie pflückte die Blumen nicht. Ein einzelnes Blütenblatt trieb herab, ein Geschenk der Nacht, und sie fing es auf ihrer Handfläche.

"Mutig", flüsterte Nia, "bedeutet, neue Dinge mit Vorsicht zu versuchen." Pips Ohren entspannten sich, und Bree steckte ihren Kopf unter einen Flügel.

Sie folgten dem Kompass zurück nach Hause. Die Sterne zwinkerten gute Nacht. Nia schlüpfte ins Bett, mit dem Blütenblatt und der Karte unter ihrem Kopfkissen. Sie fühlte sich sicher. Sie fühlte sich stolz. Sie schloss die Augen, und ihre Träume blühten wie Mondblumen, hell und sanft in der Dunkelheit.

Ende

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