Kleiner Bruders Segelreise
Kleiner Bruder saß auf den warmen Felsen am Ufer, während seine beiden großen Schwestern ein Segel reparierten. Die Möwen schrien, die Wellen flüsterten, und die Sommersonne schien auf das blaue Wasser. „Bleib in unserer Nähe", sagten die Schwestern. „Du bist zu klein, um allein zu segeln." Kleiner Bruder nickte, aber seine Augen wanderten immer wieder zum Bootshaus.
Drinnen lag ein kleines weißes Boot mit einem leuchtend roten Segel. Er kletterte hinein, nur zum Spielen. Das kleine Seil am Ring löste sich, und ein sanfter Wind blähte das rote Segel. „Oh!", rief Kleiner Bruder, als das Boot vom Steg wegglitt. Er griff nach dem Seil, aber der Wind lachte und zog ihn an der Landzunge vorbei.
Draußen auf dem Wasser hoben und senkten sich die Wellen wie Atmen. „Sitz still, kleiner Seemann", rief eine Möwe und schwebte tief. Der Südwind strich über seine Wangen und sang: „Ich werde sanft sein. Halte den Bug zur Welle." Eine glänzende Robbe tauchte mit runden, neugierigen Augen auf und schnaubte einen Gruß, bevor sie wieder verschwand. Kleiner Bruders Herz schlug schnell, halb verängstigt und halb froh.
Aber dann wurde der Himmel am Rand grau. Wilder Westwind kam herangerast, Haar wie fliegende Gischt, und peitschte das Wasser zu weißen Pferden, die rannten und rannten. Das Boot hüpfte und sprang. Kleiner Bruder umklammerte die Pinne mit beiden Händen. Seine Mütze flog davon. „Halt fest!", riefen die Möwen. Scharfe Felsen zeigten ihre schwarzen Zähne, aber zwei Möwen schlugen mit ihren Flügeln und schoben eine Böe genau richtig, und die freundliche Robbe stupste das kleine Boot mit ihrer Nase von der Gefahr weg.
Regen prickelte auf seinen Wangen. Donner grollte weit entfernt. Dann, genauso schnell, wurde der Sturm müde und die Sonne lugte wieder hervor und lächelte. Ein Regenbogen wölbte sich über die Schären wie eine Brücke zu einem geheimen Ort. Die Wellen glätteten sich. In der Stille tauchte ein kleiner Schweinswal auf und pfiff. Er schwamm neben ihm her und rollte wie ein glänzender schwarzer Mond, und Kleiner Bruder fühlte sich mutiger mit einem Freund in der Nähe.
Zurück am Ufer schauten die Schwestern auf und sahen den leeren Ring am Steg. „Wo ist Kleiner Bruder?", riefen sie. Sie rannten zum Bootshaus und sahen das rote Segel weit, weit draußen wie einen Mohn auf dem Meer. Schnell wie der Wind schoben sie ihr größeres Boot ins Wasser, hissten ihr weißes Segel und machten sich auf den Weg. „Halt durch, Kleiner! Wir kommen!", riefen sie, obwohl er es nicht hören konnte.
Der Tag wurde golden und der Wind drehte freundlich zum Land. Die Möwen kreisten und riefen: „Hier entlang! Hier entlang!" Eine Möwe schoss vor dem Boot der Schwestern her und zeigte den Weg über das glitzernde Wasser. Der Schweinswal klickte und planschte neben dem roten Segel, als würde er Wache halten.
Endlich waren die beiden Boote nahe genug, um einander zu hören. „Kleiner Bruder!", riefen die Schwestern. „Hier!", rief er und stand vorsichtig auf. Sie warfen ihm eine Leine zu und machten sie fest. Die große Schwester nahm sein kleines Boot ins Schlepptau, und die kleine Schwester gab ihm ihren warmen Schal. Zusammen segelten sie zum Heim, mit den Möwen, die lachten, und der Robbe, die ab und zu auftauchte, als ob sie sie zählen wollte.
Zurück am Pier hoben die Schwestern Kleiner Bruder heraus und setzten ihn auf die sonnengewärmten Bretter. Er war feucht und salzig und voller Geschichten. Sie wickelten ihn in eine Decke und gaben ihm heiße Milch und Brot. „Ich werde nicht mehr allein segeln", versprach er, und er meinte es ernst.
In dieser Nacht, fest in sein Bett gekuschelt, lauschte Kleiner Bruder dem fernen Rauschen des Meeres. Er schloss die Augen und träumte von einem roten Segel, freundlichen Möwen und dem Lied des Windes – sicher und mutig, mit seinen Schwestern in der Nähe.











