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Die Wichtelkinder

Elsa Beskow

Die Wichtelkinder

Tief im grünen Wald, unter den Wurzeln einer hohen Tanne, lebte die Wichtelfamilie: Wichtelmutter, Wichtelvater und vier kleine Kinder mit hellroten Mützen. Ihr Haus hatte eine winzige Rindentür, weiche Moosbetten und ein warmes, flackerndes Feuer.

Als der Frühling kam, wachte der Wald auf. Die Wichtelkinder lugten nach draußen. „Bist du ein Freund?“, fragten sie die Tiere, die sie trafen. Das Eichhörnchen zuckte mit dem Schwanz. „Freund!“ Der Hase klopfte leise. „Freund!“ Aber Wichtelvater sagte: „Denkt daran, meine Kleinen: die Kreuzotter, der Fuchs und die Eule sind nicht unsere Freunde. Passt mit vorsichtigen Augen auf.“ Die Kinder nickten und hüpften zwischen den Farnen davon.

Sie halfen der Mutter bei Aufgaben. Sie trugen Wasser in Nussschalen und trockneten winzige Hemden auf sonnenwarmen Steinen. Sie besuchten den Ameisenhaufen und sahen zu, wie die Ameisen in ordentlichen Reihen marschierten. „Wir werden nicht auf eure Straßen treten“, versprachen sie. Die Bienen summten über Blumen, und die Kinder lauschten, still und leise, um sie nicht zu erschrecken.

Eines warmen Tages pflückten die Kinder Blaubeeren im moosigen Schatten. Eine gestreifte Kreuzotter hob ihren Kopf und zischte. Die Kinder sprangen auf einen Baumstumpf, genau wie der Vater es ihnen beigebracht hatte. „Bleibt still!“, rief er und rannte über die Wurzeln. Mit einem kräftigen Schlag seiner Axt vertrieb er die Kreuzotter, damit sie niemandem mehr schaden konnte. „So“, sagte er sanft. „Der Wald ist freundlich, aber er verlangt von uns, vorsichtig zu sein.“

Der Sommer kam mit hellen Tagen. Die Kinder rutschten glatte Felsen hinunter und spielten Verstecken hinter Baumstämmen. Sie trugen Blattschürzen und Blumenkronen. Das Eichhörnchen teilte eine Nuss; die Drossel sang ein sprudelndes Lied. „Wir werden gute Nachbarn sein“, sagten die Kinder zu ihnen, und das waren sie immer.

Eines Nachmittags schlich ein roter Fuchs durch die Farne, die Augen leuchtend und die Nase zuckend. Die Kinder waren still und schlüpften in einen hohlen Baumstumpf. Klein wie er war, stellte sich Wichtelvater groß auf und schlug mit seinem Stock auf einen Stein. „Weg mit dir!“, sagte er. Der Fuchs schlich zwischen den Birken davon, den Schwanz tief.

In der Dämmerung wurde der Wald silbern und blau. „Schuh-huhu“, riefen die Eulen. Die Mutter flüsterte: „Die Nacht ist keine sichere Zeit für kleine Kinder.“ Der Vater hielt an der Tür mit seinem Bogen Wache. Als eine große Eule lautlos durch die Zweige stieß, schickte der Vater einen Pfeil pfeifend vorbei. Die Eule drehte ab, schlug mit ihren breiten Flügeln und verschmolz wieder mit der Dunkelheit.

Als der Herbst kam, wurden die Blätter gold und rot. Die Wichtelkinder pflückten helle Preiselbeeren und sammelten Pilze in winzigen Körben. Die Mutter nähte neue Mäntel aus weichem Moos und Birkenrindenstoff, und der Vater stapelte Holz unter den Wurzeln, damit das Haus warm sein würde.

Die Kinder lernten viele Waldlektionen. Sie lernten, welche Beeren süß waren, welche Pilze man stehen lassen sollte und wie man die kleinen Fußabdrücke im Schlamm liest – Hase, Eichhörnchen, Fuchs. „Jede Spur erzählt eine Geschichte“, sagte der Vater. Die Kinder hörten zu und merkten es sich.

Dann fiel der erste Schnee, weich und weiß, und bedeckte ihr kleines Haus wie eine Mütze. Die Kinder fuhren auf Tannennadelskiern und rutschten schneebedeckte Hügel hinunter. Sie hängten Krümel an Zweige für die Vögel und ließen Nüsse auf einem Stumpf für das Eichhörnchen liegen. „Danke, Winterfreunde“, sagten sie.

In der längsten Nacht zündete die Wichtelfamilie eine kleine Kerze an. Die winzige Flamme glühte an den Rindenwänden und brachte die Tannenwurzeln zum Leuchten. Die Mutter erzählte Geschichten, und der Vater lächelte. Draußen schlief der Wald unter seiner Schneedecke.

Als der Frühling endlich zurückkehrte, öffneten die Wichtelkinder wieder ihre Tür. Der Bach sang, die Vögel riefen, und die Tanne flüsterte über ihnen. „Bist du ein Freund?“, fragten sie, und der Wald antwortete mit sanften Geräuschen. Die Kinder lachten und rannten hinaus, um ihre alten Freunde zu begrüßen, und dachten daran, freundlich zu sein, vorsichtig zu sein und ihr tiefes, grünes Zuhause zu lieben.

Ende

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