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Die verzauberte Uhr

Andrew Lang

Die verzauberte Uhr

Vor langer Zeit lebte ein armer junger Mann namens Felix. Er war freundlich, schlagfertig und scheute sich nicht, hart zu arbeiten, aber das Glück schien ihm immer zu entgehen. Eines Tages verabschiedete er sich von seiner alten Mutter und machte sich auf, sein Glück zu suchen.

Auf der Straße teilte Felix sein letztes Brot mit einer hungrigen alten Frau. Er befreite auch einen kleinen Vogel, der sich in einem Dornenbusch verfangen hatte, und half einem Fisch, der hilflos auf einem Stein zappelte, zurück ins Wasser. Als die Sonne unterzugehen begann, traf er dieselbe alte Frau wieder. Sie lächelte ihn an, und in ihren Augen glimmerte etwas nicht ganz von dieser Welt.

"Du hast geteilt, ohne zu zählen", sagte sie. "Freundlichkeit verliert nie ihren Weg. Nimm dies." Sie reichte ihm eine kleine, wunderschöne silberne Taschenuhr. "Es ist eine Uhr, aber auch mehr als das. Wenn die Not groß ist, öffne den Deckel und sprich: 'Tick-tack, kleine Uhr, hilf mir nun.' Aber benutze sie mit Weisheit."

Felix dankte ihr, steckte die Uhr in seine Tasche und wanderte weiter. Schließlich kam er in eine große Stadt. Dort saß der König, kummervoll in seinem Palast, und Prinzessin Florina lächelte nie. Sie hatte versprochen, ihren Ehemann aus denen zu wählen, die ihr etwas wirklich Wunderbares und Gutes zeigten, nicht nur teuer und glitzernd. Ritter und Prinzen kamen mit Juwelen und Kuriositäten, aber die Augen der Prinzessin blieben ernst.

Felix stand weit hinten in der Halle und spürte, wie ihm das Herz sank. "Was habe ich schon zu zeigen?", flüsterte er. Dann erinnerte er sich an die Worte der alten Frau. Er ging hinaus in die stille Nacht, öffnete den Deckel und sagte: "Tick-tack, kleine Uhr, hilf mir nun. Gib mir etwas, das eine traurige Prinzessin zum Lächeln bringt – etwas Gutes, Schönes und Wahres."

Aus dem kleinen Nest der Uhr entsprang ein Lichtschimmer, fast als ob eine unsichtbare Hand schnell arbeitete. Als die Dämmerung kam, stand dort ein Garten vor dem Fenster der Prinzessin, wo am Abend zuvor nur leerer Stein gewesen war. Wege aus weißem Marmor wanden sich zwischen Bäumen mit silbernen Blättern und goldenen Früchten, die nach Sommerregen rochen. Eine klare Quelle sang, und kleine Vögel, frei und glücklich, bauten Nester in den Zweigen. Alles sah aus, als wäre die Erde selbst zu ihrem ersten, besten Tag zurückgeführt worden.

Als die Prinzessin den Vorhang zur Seite zog und den Garten sah, hielt sie inne – und dann lächelte sie. Sie ging hinunter, sah Felix schüchtern am Tor warten und sagte: "Das ist nicht nur schön. Es ist gütig. Du hast nicht daran gedacht, mich zu blenden – du wolltest mich erfreuen. Wer bist du?"

Felix erzählte offen von seiner Reise und seinem Geschenk, erwähnte aber nicht mehr über die Uhr, als dass eine gute Freundin ihm geholfen hatte. Der König, der das Lächeln seiner Tochter mehr liebte als alle Schätze, umarmte Felix. Bald wurde Hochzeit gefeiert, und das Volk jubelte.

Am Hof gab es jedoch eine listige Hofdame, die Gräfin von Malva. Sie beneidete den neuen Prinzen und wunderte sich, woher seine Wunder kamen. Eines Abends, als Felix und Florina allein im Garten saßen, bat die Gräfin darum, seine kleine silberne Uhr zu sehen. "Ich sammle schöne Dinge", sagte sie milde. "Lassen Sie mich nur hören, wie sie schlägt."

Felix, der gutherzig war und nichts Böses ahnte, übergab die Uhr. Die Augen der Gräfin leuchteten. Sie öffnete den Deckel, und bevor Felix etwas sagen konnte, flüsterte sie die Worte: "Tick-tack, kleine Uhr, hilf mir nun – lass die Macht der Uhr mir gehorchen und nur mir!"

Es gab ein Rauschen, wie wenn eine Kerze gelöscht wird. Die silberne Uhr wurde plötzlich schwer in der Hand der Gräfin. Als Felix danach griff, lächelte sie kalt und ging weg. Am nächsten Morgen war der Garten verwandelt. Die Vögel schwiegen, die Quelle verstummte, und die Bäume standen ohne Glanz da. Die Gräfin hatte der Uhr auch noch listigere Worte zugeflüstert: dass der Prinz als Betrüger erscheinen sollte, der Ehre gestohlen hatte, die er nicht verdiente.

Die Leute flüsterten, und Felix, der die Wahrheit mehr liebte als seinen eigenen Namen, bat den König um Erlaubnis, wegzureisen, bis er sich reinwaschen könnte. Florina weinte, aber vertraute ihm. "Komm zurück zu mir", sagte sie. "Ich werde den Platz in meinem Herzen bis dahin frei halten."

Felix wanderte wieder hinaus, allein und arm wie zuvor. Aber die Welt erinnerte sich an seine Freundlichkeit. Der kleine Vogel, dem er geholfen hatte, landete auf seiner Schulter. Aus dem Wasser steckte der Fisch den Kopf und glitzerte im Wellenschaum, und am Straßenrand schwang die alte Frau ihren Stab.

"Deine Uhr ist der falschen Hand treu geworden", sagte die alte Frau. "Aber wahre Treue erkennt wahre Freundlichkeit. Du brauchst Freunde, die tun können, was du nicht kannst."

Da kam eine geschmeidige Katze angepfotet – dieselbe Katze, die er einst befreit hatte – und ein treuer Hund, groß wie ein kleiner Löwe, aber mit sanften Augen. Der Vogel schlug mit den Flügeln. "Wir helfen dir", zwitscherte er. "Sag uns, was wir tun sollen."

Felix erklärte, dass die Uhr nun versteckt im Gemach der Gräfin im Palast lag, bewacht von Schlössern, Schlüsseln und Wachen. "Wir holen sie zurück", knurrte der Hund. "Ich kann die Wachen beschäftigen." "Und ich kann schleichen, wo niemand sonst passt", schnurrte die Katze. "Ich kann dorthin fliegen, wo der Schlüssel hängt", sagte der Vogel und wippte mit dem Kopf.

Als die Nacht hereinbrach, legte sich der Hund direkt am Tor zum Schlafen nieder und fing bald so laut an zu schnarchen, dass die Wachen lachten und herankamen, um ihn zu necken. Dann flog der Vogel leise durch ein offenes Fenster, fand den Schlüsselbund, der an einem Haken hing, und ließ ihn absichtlich auf einen Teppich fallen. Die Katze schlich vorwärts, packte den richtigen Schlüssel mit dem Maul und verschwand entlang eines schmalen Vorsprungs, der unter der Decke verlief. Auf den leichten Pfoten der Katze gelangte der Schlüssel zur Tür der Gräfin.

Es gab viele Schlösser, aber die Katze gab nicht auf. Eins, zwei, drei – das letzte klickte auf. Drinnen, in einer mit Seide ausgekleideten Schachtel, lag die silberne Uhr. Die Katze klappte den Deckel mit einer krallenartigen Bewegung auf und flüsterte so gut sie konnte: "Tick-tack, kleine Uhr, hilf uns nun – folge deinem wahren Freund."

Die Uhr leuchtete, fast als ob sie ein altes Herz erkannte. Die Katze trug sie vorsichtig zwischen den Zähnen, der Vogel trug den Schlüssel zurück, und der Hund hörte genau rechtzeitig auf zu schnarchen, damit die Wachen dachten, die Nacht sei zu ruhig geworden, und ihre Positionen wieder einnahmen. Niemand bemerkte etwas.

Als Felix die Uhr zurückbekam, hielt er sie fest und sagte leise: "Tick-tack, kleine Uhr, hilf mir nun. Lass die Wahrheit hervorkommen und lass niemandem Leid geschehen." Am nächsten Morgen trat er in den Thronsaal. Die Gräfin, die eine plötzliche Sorge spürte, erschien ebenfalls, um zu sehen, was passieren würde.

Felix öffnete den Deckel. Ein weicher, klarer Schlag hallte durch den Saal, wie eine freundliche Glocke im Nebel. Die Wände leuchteten auf, und Bilder von dem, was tatsächlich geschah, schwebten in der Luft: das Flüstern der Gräfin, ihr kaltes Lächeln, der Mut der Katze, die Treue des Hundes, die Klugheit des Vogels. Niemand konnte dem widersprechen, was sie selbst sahen. Der König erhob sich, bleich vor Aufregung, und Prinzessin Florina rannte zu Felix und nahm seine Hände.

"Vergib mir", sagte der König. "Die Wahrheit war vor mir verborgen, aber nicht länger." Die Gräfin wurde vom Hof verbannt, und die Uhr wurde ihrem wahren Besitzer zurückgegeben.

Der Garten sang wieder. Vögel bauten neue Nester, die Quelle brach klarer denn je hervor, und die Bäume trugen Früchte, die mit den Armen in der Stadt geteilt wurden. Felix und Florina regierten mit Gerechtigkeit, und die silberne Uhr fand ihren Platz in einem kleinen Fach nahe Felix' Herzen. Er benutzte sie nur, wenn die Not wirklich groß war – und jedes Mal begann er damit, sich zu fragen, ob das, was er wünschte, wahr, gut und gerecht war.

Und wenn du an einem Garten vorbeiwanderst, wo sich die Luft so neu anfühlt wie ein erster Tag, hörst du vielleicht etwas weit entfernt: ein leises Tick-tack, das dich daran erinnert, dass Freundlichkeit nie ihren Weg verliert.

Ende

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