Geschichtenbot
Die versteckte Krone
Prinzessin Mina lebte in Schloss Hellwasser, wo die Türme hoch waren und die Teppiche so blau wie Pfützen. Sie liebte Rätsel, sie liebte Fragen, und sie liebte es besonders zu sagen: "Ich sehe einen Hinweis!"
Am Morgen der Blumenparade fehlte die königliche Krone. Das rote Samtkissen saß ganz allein da und sah überrascht aus. Die Wachen schauten unter Tische. Die Zofen lugten hinter Vorhänge. Der König polierte seine Brille. Die Königin überprüfte ihre Taschen.
Prinzessin Mina beugte sich tief hinunter. Sir Schnurrhaar, die Schlosskatze, beugte sich auch tief hinunter, seine Schnurrhaare zuckten.
"Ich sehe einen Hinweis", flüsterte Mina. Eine Streuung von winzigen silbernen Glitzerteilchen funkelte auf dem Boden wie Zucker. "Hinweis Nummer eins: Glitzer vom Kronenkissen."
Sie folgten dem Glitzer die Lange Galerie hinunter. Am Ende berührte Mina das Geländer, und ihr Finger kam klebrig zurück.
"Ih!", lachte sie. "Hinweis Nummer zwei: ein Tropfen Honig. Wer hatte Honig?"
In der warmen, geschäftigen Küche winkte Köchin Peg mit einem Löffel. "Prinzessin Mina! Ich habe Toast mit Honig für den Diener gemacht. Aber schau—" Sie zeigte auf das offene Fenster. "Etwas machte klack-klack auf dem Sims, dann piep-piep, dann wusch! Ich dachte, es wäre der Wind."
Auf dem Sims saß eine einzelne lange Feder, grau mit einem glänzenden Streifen, und daneben mehr silberner Glitzer.
Mina hielt die Feder hoch. "Hinweis Nummer drei: eine Feder. Honig. Ein offenes Fenster. Ein Vogel mag glänzende Dinge."
Sir Schnurrhaar schaute auf. Sein Schwanz machte ein Fragezeichen.
Die Flurvorhänge blähten sich mit einer freundlichen Brise. Ein Vorhang verbarg einen großen Wandteppich von Fischen, die über Wellen springen. Er wackelte unten, als ob er ein Geheimnis erzählen wollte.
Mina lugte dahinter. "Oh!" Da war eine winzige Holztür, die sie noch nie wirklich bemerkt hatte. Sie hatte einen kleinen Messinggriff, glatt von alten Händen. Sie zog. Die Tür öffnete sich mit einem leisen Seufzer.
Wendeltreppen kringelten sich hoch, hoch, hoch; die Luft roch nach Staub und Seife. Auf der ersten Stufe lag ein heller Goldflocken. Mina lächelte. "Hinweis Nummer vier: ein Goldflocken von der Krone."
Sie kletterten. Sir Schnurrhaar trabte wie eine pelzige Trommel. Oben im Turm war das Licht hell und der Wind zupfte sanft an Minas Zopf. Ein breiter Sims hielt ein ordentliches Nest aus Zweigen, Bänderresten und einem glänzenden Löffel.
Ein schwarz-weißer Vogel hüpfte auf dem Rand. "Piep!", sagte er. Seine Augen waren sehr hell. "Glänzend!"
Neben dem Nest, halb unter einer Bänderschlaufe versteckt, saß die königliche Krone. Sie hatte kleine Glitzerteilchen, die daran klebten, und ein winziges Blütenblatt steckte darin.
Prinzessin Mina verbeugte sich vor dem Vogel. "Hallo, Freund. Ich bin Mina. Hast du unsere glitzernde Krone gefunden?"
"Glänzend", sagte der Vogel. Er neigte seinen Kopf. "Meins?"
Mina setzte sich in die Nähe des Nestes. "Sie ist für die Blumenparade. Wir müssen sie tragen, damit die Blumen wissen, wo sie folgen sollen. Dürfen wir tauschen?"
Sie schaute sich um. An einem Haken hing eine Reihe alter Glöckchen. Mina nahm eines. Es läutete einen glücklichen kling-kling Kuss von einem Geräusch. Sir Schnurrhaar schlug danach. Kling!
Ende
