Geschichtenbot
Die Mango-Insel
Siri hatte einen kleinen blauen Rucksack. Darin wohnte Snorv, ihr weiches Krokodil. Heute reiste Siri mit Mama auf der Fähre. Das Wasser glitzerte und roch nach Salz. Möwen riefen, und das Boot machte Wruum-Wruum wie eine schlafende Katze.
"Siehst du die Insel?", fragte Mama.
Siri drückte ihre Nase gegen das Fenster. Weit weg sah sie eine grüne Form. "Es sieht aus wie ein Hut!", lachte sie. Mama lächelte. "Bald sind wir auf der Mango-Insel. Meine Freundin Amina wartet auf uns."
Als die Fähre anlegte, stand Amina da mit einem großen Lächeln und einem Korb voller Obst. "Akwaaba!", sagte Amina und streckte ihre Arme aus.
"Ak-wa-a-ba", wiederholte Siri langsam. Das Wort schmeckte wie Sonne in ihrem Mund.
"Es bedeutet Willkommen", erklärte Amina. "Komm, wir gehen zum Platz. Heute ist das Mango-Fest!"
Sie stiegen in einen Bus, der mit Mangos, Papayas und Bananen bemalt war. Die Häuser entlang der Straße waren gelb, türkis und rosa, wie Bonbons. Kleine Flaggen flatterten. Siri hielt Snorv fest und schaute in alle Richtungen.
Auf dem Platz waren Pyramiden von Mangos, die süß rochen. Trommeln donnerten sanft, wie Herzschläge. Bunte Stoffe winkten und glitzerten in der Sonne. Ein Junge mit einer grünen Kappe winkte. "Hi! Mein Name ist Kofi. Willst du probieren?" Er hielt eine Scheibe Mango hin.
Siri biss vorsichtig hinein. "Mmm!" Ihre Finger wurden klebrig. "Es schmeckt nach Sonne und Saft!"
Kofi lachte. "Willst du meinen Lieblingsrhythmus hören?" Er klatschte in seine Hände: ta-dumm, ta-ta-dumm. Bald klatschte Siri mit. Snorv bekam auch einen kleinen Klatscher auf die Nase.
"Willst du die Trommel probieren?", fragte ein Trommler mit glücklichen Augen. Siri nickte. Sie schlug sanft. Die Trommel antwortete mit einem warmen Ton, der in ihrem Bauch kitzelte.
Plötzlich hielt Siri an. Ihr Rucksack fühlte sich leicht an. "Snorv!", flüsterte sie. "Wo ist Snorv?" Sie drehte sich um. Mangos, Stoffe, Menschen... aber kein grünes Krokodil.
"Wir helfen uns gegenseitig", sagte Amina ruhig. "Frag mit deiner neuen Stimme!"
Siri sammelte ihren Mut. "Hat jemand ein kleines grünes Krokodil gesehen?", fragte sie.
Kofi rannte zwischen die Stände. "Habt ihr ein grünes Krokodil gesehen?", rief er. Eine Frau zeigte auf die Trommeln. "Dort! Ich sah etwas Grünes!"
Der Trommler stand bei seiner großen Trommel. Etwas Grünes winkte hinter dem Gurt. Siri lugte näher. Ein kleiner Schwanz! "Snorv!", rief sie.
Der Trommler hob den Gurt vorsichtig weg. "Oh, Entschuldigung! Er ist stecken geblieben, als ich die Trommel trug. Hier ist dein Freund." Er reichte Snorv herüber. Siri umarmte das Krokodil fest.
"Danke", sagte sie. "Und danke auf deine Weise", fügte Amina hinzu und lächelte den Trommler an.
Der Trommler klatschte einen glücklichen Rhythmus: ta-ta, ta-dumm! "So klingt danke hier", sagte er. Siri klatschte zurück, und Snorv bekam einen weiteren Klatscher auf die Nase.
"Komm", sagte Amina. "Wir machen unsere eigene kleine Tasche für Snorv, damit er nicht wieder wegrutscht." Sie gingen zu einer Frau, die nähte. Sie hatte Stoffe mit Streifen und Karos in Rot, Blau und Gold. Siri durfte wählen. Sie zeigte auf einen Stoff, der wie Sonnenstrahlen aussah.
Die Frau nähte schnell und weich. "Akwaaba, Snorv", sagte sie und steckte das Krokodil in die kleine Tasche. Siri malte eine kleine Mango auf die Tasche mit einem Wachsstift, den Kofi geliehen hatte. "Jetzt wohnt er sicher", sagte sie.
Sie tranken Kokosnuss mit Strohhalmen und spazierten zum Strand hinunter. Der Sand war warm und weich wie Zucker. Kinder rannten mit Papierdrachen, die wie Fische aussahen. Der Wind sang in den Drachenschwänzen.
"Willst du mit uns rennen?", fragte Kofi. Siri nickte. Snorv schaute aus seiner neuen Tasche hoch. Sie rannten, bis ihre Wangen rot waren und das Lachen wie Vögel flog.
Bald war es Zeit, zur Fähre zurückzugehen. "Akwaaba", sagte Siri noch einmal und drehte sich zur Insel.
Amina lachte. "Wenn du das nächste Mal kommst, sagen wir es wieder. Willkommen!"
Auf dem Boot saß Siri in Mamas Schoß. Sie hörte die Trommel in ihrem Kopf: ta-dumm, ta-ta-dumm. Sie klatschte leise. Snorv lag sicher in der Tasche mit dem Mango-Zeichen.
"Mama", flüsterte Siri, "ich kenne ein neues Wort. Akwaaba." Sie lächelte. Die Inseln wurden klein hinter ihnen, aber in ihrem Bauch war immer noch der Geschmack von Sonne, der Rhythmus von Trommeln und der Duft von Mango.
Ende
