Der trabende Elch
Tief in einem grünen Wald lebte ein Elch, der trabte. Er trabte über Wiesen, zwischen Kiefern, so geschwind, dass der Wind in seinem Geweih sang. Jeder nannte ihn den trabenden Elch, weil er fast die ganze Zeit trabte.
Wenn er trabte, machte der Boden bumm, bumm, bumm. Blätter wirbelten, Tannenzapfen hüpften, und die kleinen Vögel stoben auseinander wie Wolkenfetzen. Das Eichhörnchen hielt sich an seinem Schwanz fest. Der Igel schob seine Äpfel zurück. Die Rehe lachten: "Oh, wie du trabst!"
Der Elch lächelte. Er liebte es, wie seine Beine ihn weit trugen. "Ich trabe, um den Wald fliegen zu fühlen!", sagte er. Er trabte zum See und zurück, dann den Berg hinauf und wieder hinunter. Bumm, bumm, bumm.
Eines Abends rollten Wolken herein, so dick wie Decken. Der Wind rauschte und die Dämmerung kam früh. Da rief der Hase, klein wie ein Puschel: "Ist jemand hier? Ich habe den Pfad verloren!" Aber der Ruf war schwach, schwach.
Der Elch spitzte seine Ohren. "Ich helfe!", rief er und begann zu traben. Bumm, bumm, bumm – aber der Sturm brüllte, die Äste knackten, und seine eigenen Schritte klangen wie Trommeln. Er konnte nur sein Bumm hören.
Die Eule auf ihrem Ast blinzelte ruhig. "Große Schritte finden weit", schrie sie, "aber kleine Schritte hören kleine Stimmen. Versuch langsam zu gehen, Elch. Hör mit dem ganzen Wald."
Der Elch hielt an. Er setzte seine großen Hufe sanft auf das Moos. Kein Bumm, nur ein schwaches Rascheln. Er atmete den Duft von Kiefer und Regen ein. Er lauschte. Der Wald wurde still wie eine Decke. Dann kam es wieder, winzig: "Hier... hier!"
Er folgte dem Geräusch vorsichtig, tapp, tapp, tapp. Vorbei an Blaubeerbüschen, um einen Stein, über einen kleinen Bach. In einem Dickicht saß der Hase, nass auf der Nase und mit Ohren, die tropften. "Ich habe nie gedacht, dass du mich hören würdest", piepste der Hase.
"Ich bin zu schnell getrabt, um zu hören", sagte der Elch sanft. Er senkte seinen Kopf und räumte die stacheligen Zweige von seinem Geweih weg. "Klettere zwischen mein Geweih. Wir gehen nach Hause."
Sie begannen langsam, tapp, tapp, tapp, damit der Hase nicht stieß. Als sich der Pfad öffnete und der Regen leichter wurde, lächelte der Elch. "Jetzt traben wir ein wenig", flüsterte er. Und mit dem Hasen sicher zwischen seinem Geweih trabte er durch die Dunkelheit in genau der richtigen Geschwindigkeit.
An der Lichtung wartete der Wald. Die Rehe verlagerten ihre Hufe leise, der Igel rollte vorwärts, und das Eichhörnchen winkte mit seinem Schwanz. "Wie ist es gelaufen?", fragten alle.
"Wir haben uns gefunden, als wir langsam gingen", sagte der Hase. "Und kamen nach Hause, als wir genau richtig trabten", sagte der Elch.
Die Eule nickte. "Ein Wald hat viele Geräusche. Manchmal braucht man Bumm, manchmal braucht man Flüstern."
Seit jenem Abend trabte der trabende Elch immer noch. Er trabte über Wiesen, wenn sein Herz leicht war. Aber er konnte auch sanft wie ein Schatten gehen, wenn jemand einen Freund brauchte. Und wenn der Wind in seinem Geweih sang, sang der Wald mit – nicht weil er der Schnellste war, sondern weil er beides konnte, traben und zuhören.
Und wenn du jemals bumm, bumm, bumm im Moos hörst und ein freundliches Kichern im Wind, dann weißt du: Der trabende Elch ist draußen unterwegs. Vielleicht trabt er. Vielleicht tappt er. Immer genau richtig, immer freundlich.
Ende
