Der Schneemann
Es war die Art von Wintertag, die deinen Atem wie kleine Wolken puffen lässt. Die Kinder im großen Hof rollten drei funkelnde Schneebälle – eins, zwei, drei – und stapelten sie, vom größten zum kleinsten. Sie drückten zwei schwarze Augen hinein, setzten eine Karotte als Nase ein und klopften ihn glatt und groß. Als sie fertig waren, stand der Schneemann stolz in der Mitte des Hofes, weiß und hell gegen den blauen Abend.
Als der Mond aufging und die Dächer versilberte, fühlte der Schneemann so etwas wie ein Erwachen. Er starrte auf die stille Straße, die frostigen Hecken und das Haus mit den warmen gelben Fenstern. Auf dem Dach drehte sich ein Wetterhahn, sein metallener Hahn glitzerte.
"Kikeriki!", knarrte der Wetterhahn. "Es wird sich ändern! Das tut es immer!"
"Was wird sich ändern?", fragte der Schneemann, erstaunt, sich sprechen zu hören.
"Das Wetter", klapperte der Wetterhahn und zeigte mit seinem Schnabel hierhin und dorthin. "Ich bin derjenige, der es weiß. Ich drehe mich und sage es ihnen. Es wird sich ändern!"
Der Schneemann versuchte zu nicken, und der Frost in seinen Halsgelenken knisterte. "Ich bin neu", sagte er. "Alles ist neu für mich. Ich fühle mich so – so fein und kalt."
"Kälte steht dir", rasselte der Wetterhahn. "Behalte nur den Kopf und komm nicht auf Ideen."
Aus dem Schatten beim Holzschuppen kam ein Kettengerassel und ein leises Knurren. Ein alter Hofhund hob seine Nase aus seinem Stroh. Sein Fell war zottig, und seine Augen waren freundlich.
"Wau-wau", sagte der Hund, was bedeutete: "Guten Abend. Du bist ein hübscher Kerl." Dann fügte er hinzu: "Ich kannte die Welt früher besser als jetzt. Einst lebte ich im Haus."
"Im Haus?" Der Schneemann drehte seinen ganzen steifen Körper, um zu den Fenstern zu schauen, wo Feuerschein tanzte. "Wie ist es dort drinnen?"
"Warm", sagte der Hund mit einem Seufzer so tief, dass seine Kette klimperte. "Dort drinnen ist ein Wesen, das Holzscheite frisst und wie rotes Gold glänzt. Sie summt leise und wird nie müde. Wir nannten sie den Ofen. Als ich ein Welpe war, lag ich vor ihr und röstete meine Pfoten. Oh, das war Behaglichkeit!"
"Der Ofen", flüsterte der Schneemann. Er spähte durch die unterste Scheibe der Gartentür. Ja – da war sie: eine schwarze, polierte Form, die so anmutig auf ihren geschwungenen Füßen stand. In ihrer Mitte war eine kleine Tür mit einem runden Ring. Hin und wieder fütterte sie jemand, und sie glühte und atmete eine tiefe, sanfte Wärme aus, die das Fenster kleine Tropfen weinen ließ. Der Schneemann dachte, sie sähe aus wie eine vornehme Dame, hell und wichtig.
"Ich muss näher heran", sagte er.
"Das darfst du nicht", warnte der Hund. "Sie ist lieblich, aber sie ist gefährlich für deine Art. Wenn du sie zu sehr liebst, wirst du zu Schaden kommen."
"Sie lieben?" Der Schneemann kannte das Wort kaum, doch etwas in ihm zog und schmerzte. "Wenn ich sie ansehe, fühle ich –" Er knarrte und konnte den Rest nicht finden.
"Bleib cool", klapperte der Wetterhahn vom Dach. "Es wird sich ändern."
In jener Nacht verschärfte sich der Frost. Die Sterne waren winzige Nadeln. Der Schneemann stand ganz still und beobachtete den Ofen, der hinter dem Glas schimmerte. Menschen kamen und gingen, und die Tür des Ofens öffnete und schloss sich wie ein Lächeln. "Was für ein süßes Gesicht", murmelte der Schneemann. "Wie sie glänzt! Sie ist für mich gemacht, da bin ich sicher."
"Nicht für dich", sagte der Hund. "Für Kessel und Suppe und fröstelnde Finger. Ich lag einst genau dort." Er wedelte, sich erinnernd. "Ich dachte, ich würde für immer dort leben, aber ich schnappte mir einen Knochen von der Köchin, und hinaus kam ich. Dennoch, der Ofen – ah! Es gibt nichts wie den Ofen."
Tag für Tag stand der Schneemann im Hof. Die Sonne war blass und kalt, und das gefiel ihm. Nachts biss der Frost härter zu, und das gefiel ihm noch mehr. Seine Gelenke quietschten, wenn er sich drehte, doch er drehte sich, drehte sich immer, damit seine Augen auf dem Ofen ruhen konnten. Manchmal zeigte sich der Mond auf dem Glas wie ein weiteres helles Auge. Manchmal wurde das Fenster weiß von Eisfarnkraut, und er konnte nicht sehen, und dann fühlte er sich schrecklich einsam.
"Denk nicht so viel nach", riet der Hund. "Schau in den Himmel, oder lausche den Mäusen unter dem Schnee. Lass den Ofen in Ruhe."
"Ich kann nicht anders", sagte der Schneemann. "Etwas in mir will zu ihr gehen. Es zieht und zieht."
Auf dem Dach knarrte der Wetterhahn herum. "Es wird sich ändern!", rief er. "Es wird sich ändern!"
Das tat es. Die Tage wurden ein wenig länger, das Licht ein wenig kräftiger. Wasser tropfte von den Stalltraufen, und die Eiszapfen wurden dünner. Dem Schneemann gefiel das überhaupt nicht.
"Es sticht", sagte er eines Nachmittags, als ein Tropfen über seine Wange lief.
"Es ist nur eine Träne", sagte der Hund sanft. "Das passiert, wenn der Winter zu entgleiten beginnt."
"Ich will nicht, dass er entgleitet", sagte der Schneemann. Er starrte mit aller Kraft auf den Ofen. "Wenn ich nur hineingehen könnte, nur einmal."
Doch das Tor war geschlossen, und die Tür war geschlossen, und der Boden unter ihm wurde weich. Er fühlte, wie er sich setzte. Seine feine Rundung sackte ab. Die Karotte lockerte sich. Wo der Schnee fest gewesen war, war er nun schwer und nass.
"Es wird sich ändern", krächzte der Wetterhahn, und er drehte sich und drehte sich.
Eines Morgens kamen die Kinder in Gummistiefeln heraus und platschten in Pfützen. Der Schneemann war jetzt kleiner und neigte sich. "Steh auf", rief das kleinste Kind und klopfte ihn. Er konnte nicht.
"Ich bin nicht mehr ich selbst", flüsterte der Schneemann. Er schaute ein letztes Mal zum Fenster. Der Ofen drinnen leuchtete mit einem sanften, stetigen Schein. Sie schien zu atmen. "Wie schön du bist", sagte er, und als er es sagte, gab er einen langen, sanften Seufzer von sich, der wie ein tauender Eiszapfen klang.
Bis zum Abend war er verschwunden. Wo er gestanden hatte, war der Boden nass und dunkel. In der Mitte des feuchten Kreises lag ein Stück schwarzes Eisen mit Zähnen – eine alte Ofenharke, die Art, die man zum Schüren des Feuers verwendet.
Der Hund tappte hinüber und schnüffelte. Er wedelte mit dem Schwanz, langsam und weise. "Jetzt ergibt es einen Sinn", sagte er. "Er hatte die ganze Zeit eine Ofenharke in sich. Deshalb sehnte er sich nach dem Ofen."
Der Wetterhahn rasselte auf dem First. "Es wird sich ändern! Es hat sich geändert!", rief er dem leeren Hof zu.
Der Sommer kam. Die Fenster standen offen, und der Ofen ruhte, kühl und still. Der Hof war grün und voller geschäftiger Vögel. Der Hund döste in seinem Schatten und träumte von warmen Pfoten und knisternden Holzscheiten.
Als der Winter zurückkehrte, rollten die Kinder wieder drei helle Bälle und bauten einen neuen Schneemann. Er sah fast gleich aus, doch der Hund wusste, dass er nicht derjenige war, der den Ofen angestarrt und geseufzt hatte.
Dennoch, als der Mond aufging und alles silbern bemalte, drehte sich der Wetterhahn und sagte dem Himmel: "Es wird sich ändern." Und der Hund, der sich erinnerte, legte seine Nase auf seine Pfoten und bewahrte die Geschichte in seinem Herzen.


























