Der kleine Lebkuchenmann
Eines Tages ging die Köchin in die Küche, um etwas Lebkuchen zu machen. Sie nahm etwas Mehl und Wasser, und Rübensirup und Ingwer, und mischte alles gut zusammen. Sie tat dann noch etwas Wasser hinein, um es dünn zu machen, dann noch etwas Mehl, um es dick zu machen, und ein wenig Salz und etwas Gewürz, bevor sie es zu einem schönen, glatten, dunkelgelben Teig ausrollte.
Dann nahm sie die eckigen Formen und stach einige eckige Kuchen für die kleinen Jungen aus. Mit runden Formen stach sie runde Kuchen für die kleinen Mädchen aus. Dann sagte sie: "Ich werde einen kleinen Lebkuchenmann für den kleinen Bobby machen." Also nahm sie einen schönen runden Klumpen Teig für seinen Körper und einen kleineren Klumpen für seinen Kopf, den sie ein wenig für den Hals herauszog. Zwei andere Klumpen wurden für die Beine angeklebt und in richtige Form gezogen, mit Füßen und Zehen ganz komplett. Zwei noch kleinere Stücke wurden zu Armen gemacht, mit lieben kleinen Händen und Fingern.
Aber die schönste Arbeit wurde am Kopf getan, denn der obere Teil wurde zu einem hübschen Zuckerhut aufgekräuselt. Auf jeder Seite wurde ein liebes kleines Ohr gemacht; und vorne, nachdem die Nase sorgfältig geformt worden war, wurde ein schöner Mund aus einer großen Rosine geformt, und zwei helle kleine Augen mit gebrannten Mandeln und Kümmelsamen.
Dann war der Lebkuchenmann bereit zum Backen, und ein sehr lustiger kleiner Mann war er. Tatsächlich sah er so schlau aus, dass die Köchin fürchtete, er plane irgendeinen Unfug. Als der Teig bereit für den Ofen war, tat sie die eckigen Kuchen hinein und sie tat die runden Kuchen hinein; dann tat sie den kleinen Lebkuchenmann in eine weit hintere Ecke, wo er nicht in Eile wegkommen konnte.
Dann ging sie hinauf, um das Wohnzimmer zu fegen, und sie fegte und sie fegte, bis die Uhr zwölf schlug. Dann ließ sie ihren Besen in Eile fallen, und ausrufend: "Himmel! Der Lebkuchen wird ganz zu Asche gebacken sein", rannte sie hinunter in die Küche und warf die Ofentür auf. Die eckigen Kuchen waren alle fertig, schön, hart und braun, und die runden Kuchen waren alle fertig, schön, hart und braun. Der Lebkuchenmann war auch ganz fertig, schön, hart und braun; und er stand aufrecht in seiner Ecke, mit seinen kleinen Kümmelsamen-Augen funkelnd und seinem Rosinen-Mund überbrodelnd vor Unfug, während er darauf wartete, dass die Ofentür geöffnet wurde. In dem Augenblick, als die Tür geöffnet wurde, mit einem Hopser, Sprung und Satz, ging er direkt über die eckigen Kuchen und die runden Kuchen und über den Arm der Köchin. Bevor sie "Hans Dampf" sagen konnte, rannte er über den Küchenboden, so schnell seine kleinen Beine ihn tragen würden, zur Hintertür, die weit offen stand und durch die er den Gartenweg sehen konnte.
Die alte Köchin drehte sich so schnell um, wie sie konnte, was nicht sehr schnell war, denn sie war eine ziemlich schwere Frau und war ziemlich überrascht worden. Sie sah den alten Mauser, den Kater, genau quer über der Türschwelle liegen, tief schlafend in der Sonne.
"Mauser, Mauser", rief sie, "stopp den Lebkuchenmann! Ich will ihn für den kleinen Bobby." Als die Köchin zuerst rief, dachte Mauser, es sei nur jemand, der in ihren Träumen rief, und rollte sich einfach faul um. Die Köchin rief wieder: "Mauser, Mauser!" Der alte Kater sprang mit einem Satz auf, aber gerade als er sich umdrehte, um die Köchin zu fragen, worum es bei all dem Lärm ging, sprang der kleine Lebkuchenmann geschickt unter seinen Schwanz und trottete in einem Augenblick den Gartenweg hinunter. Mauser drehte sich in Eile um und rannte hinterher, obwohl er immer noch ziemlich zu schläfrig war, um zu wissen, was es war, das er zu fangen versuchte. Nach dem Kater kam die Köchin, ziemlich schwerfällig daherpolternd, aber auch mit ziemlich gutem Tempo.
Nun lag am Ende des Weges, tief schlafend in der Sonne gegen die warmen Steine der Gartenmauer, Towser, der Hund.
Und die Köchin rief aus: "Towser, Towser, stopp den Lebkuchenmann! Ich will ihn für den kleinen Bobby."
Und als Towser sie zuerst rufen hörte, dachte er, es sei jemand, der in seinen Träumen spreche, und drehte sich nur auf seine Seite, mit einem weiteren Schnarcher. Dann rief die Köchin wieder: "Towser, Towser, stopp ihn, stopp ihn!"
Dann wachte der Hund ernsthaft auf und sprang auf seine Füße, um zu sehen, was es war, das er stoppen sollte. Aber gerade als der Hund aufsprang, schlüpfte der kleine Lebkuchenmann, der auf die Chance gewartet hatte, leise zwischen seine Beine und kletterte auf die Spitze der Steinmauer. Also sah Towser nichts als den Kater, der auf ihn zu den Weg hinunterrannte, und hinter dem Kater die Köchin, nun ziemlich außer Atem.
Er dachte sofort, dass der Kater etwas gestohlen haben müsse und dass es der Kater sei, den die Köchin wollte, dass er stoppte. Nun, wenn es irgendetwas gab, das Towser mochte, war es hinter dem Kater her zu sein, und er sprang so wild den Weg hinauf, dass der arme Kater keine Zeit hatte, sich selbst zu stoppen oder ihm aus dem Weg zu gehen. Sie kamen zusammen mit einem großen Fauchen, Bellen, Miauen, Heulen, Kratzen und Beißen, als ob ein paar Feuerräder auf die falsche Weise losgegangen wären und sich miteinander vermischt hätten.
Aber die alte Köchin war so hart gerannt, dass sie unfähig war, sich selbst besser zu stoppen, als der Kater es getan hatte, und sie fiel direkt oben auf den vermischten Hund und Kater, so dass alle drei auf dem Weg in einem Haufen zusammenrollten.
Und der Kater kratzte, was immer am nächsten kam, ob es ein Stück des Hundes oder der Köchin war, und der Hund biss nach allem, was am nächsten kam, ob es ein Stück des Katers oder der Köchin war, so dass die arme Köchin auf beiden Seiten übel zugerichtet wurde.
In der Zwischenzeit war der Lebkuchenmann auf die Gartenmauer geklettert und stand oben mit seinen Händen in seinen Taschen, schaute auf das Handgemenge und lachte, bis die Tränen aus seinen kleinen Kümmelsamen-Augen liefen und sein Rosinen-Mund ganz überbrodelte vor Spaß.
Nach einer kleinen Weile schaffte es der Kater, sich unter der Köchin und dem Hund hervorzuziehen. Ein sehr niedergeschlagener und zerknittert aussehender Kater war er. Er hatte genug vom jagen von Lebkuchenmännern, und er kroch zurück zur Küche, um Schäden zu reparieren.
Der Hund, der sehr bärbeißig war, weil sein Gesicht übel verkratzt worden war, ließ die Köchin los, und endlich, als er den Lebkuchenmann erblickte, machte er einen Satz zur Gartenmauer. Die Köchin rappelte sich auf, und obwohl ihr Gesicht auch übel verkratzt war und ihr Kleid zerrissen war, war sie entschlossen, das Ende der Jagd zu sehen, und sie folgte dem Hund hinterher, wenn auch diesmal langsamer.
Als der Lebkuchenmann den Hund kommen sah, sprang er auf der ferneren Seite der Mauer hinunter und begann über das Feld zu laufen. In der Mitte des Feldes war ein Baum, und am Fuß des Baumes lag Jocko, der Affe. Er schlief nicht – Affen schlafen nie – und als er den kleinen Mann über das Feld laufen sah und die Köchin rufen hörte: "Jocko, Jocko, stopp den Lebkuchenmann", gab er sofort einen großen Sprung. Aber er sprang so schnell und so weit, dass er direkt über den Lebkuchenmann ging, und wie das Glück es wollte, kam er auf dem Rücken von Towser, dem Hund, herunter, der gerade über die Mauer gekrabbelt war und den er vorher nicht bemerkt hatte. Towser wurde natürlich überrascht, aber er drehte seinen Kopf herum und biss prompt das Ende von des Affens Schwanz ab, und Jocko sprang schnell wieder ab, seine Empörung schnatternd.
In der Zwischenzeit war der Lebkuchenmann zum Fuß des Baumes gelangt und sagte zu sich selbst: "Nun, ich weiß, der Hund kann keinen Baum klettern, und ich glaube nicht, dass die alte Köchin einen Baum klettern kann; und was den Affen betrifft, bin ich nicht sicher, denn ich habe nie zuvor einen Affen gesehen, aber ich gehe hinauf."
Also zog er sich Hand über Hand hinauf, bis er zum obersten Ast gelangt war.
Aber der Affe war mit einem Satz auf den untersten Ast gesprungen, und in einem Augenblick war er auch an der Spitze des Baumes.
Der Lebkuchenmann kroch bis zum äußersten Ende des Astes hinaus und hing an einer Hand. Aber der Affe schwang sich unter den Ast, und seinen langen Arm ausstreckend, zog er den Lebkuchenmann herein. Dann hielt er ihn hoch und schaute ihn so hungrig an, dass der kleine Rosinen-Mund an den Ecken begann, sich nach unten zu verziehen, und die Kümmelsamen-Augen füllten sich mit Tränen.
Und dann, was denkst du, passierte? Nun, der kleine Bobby selbst kam herbeigelaufen. Er hatte sein Mittagsschläfchen oben gemacht, und in seinen Träumen schien es, als ob er ständig Leute rufen hören würde: "Kleiner Bobby, kleiner Bobby!", bis er schließlich mit einem Ruck aufsprang. Er war so sicher, dass ihn jemand rief, dass er hinunterrannte, ohne auch nur zu warten, seine Schuhe anzuziehen.
Als er herunterkam, konnte er durch das Fenster die Köchin, den Hund und den Affen im Feld hinter dem Garten sehen, und konnte sogar das Bellen von Towser und das Schnattern von Jocko hören. Er sauste den Weg hinunter, mit seinen kleinen nackten Füßen gegen den warmen Kies patschend, kletterte über die Mauer, und in wenigen Sekunden kam er unter dem Baum an, genau als Jocko den armen kleinen Lebkuchenmann hochhielt.
"Lass es fallen, Jocko!", rief Bobby, und fallen lassen tat Jocko es, denn er musste immer auf Bobby hören. Er ließ es so gerade fallen, dass der Lebkuchenmann direkt in Bobbys hochgehaltene Schürze fiel.
Dann hielt Bobby ihn hoch und schaute ihn an, und der kleine Rosinen-Mund verzog sich tiefer als je zuvor nach unten, und die Tränen liefen direkt aus den Kümmelsamen-Augen.
Aber Bobby war zu hungrig, um sich um Lebkuchen-Tränen zu kümmern, und er gab einen großen Biss und schluckte beide Beine und ein Stück des Körpers hinunter.
"OH!", sagte der Lebkuchenmann, "ICH BIN EIN DRITTEL WEG!"
Bobby gab einen zweiten Biss und schluckte den Rest des Körpers und die Arme.
"OH!", sagte der Lebkuchenmann, "ICH BIN ZWEI DRITTEIL WEG!"
Bobby gab einen dritten Biss und schlang den Kopf hinunter.
"Oh!", sagte der Lebkuchenmann, "Ich bin ganz weg!"
Und das war er auch – und das ist das Ende der Geschichte.
Ende
