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Der blaue Knopf

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Der blaue Knopf

Mira hatte einen Bastel-Tisch in der Ecke des Spielzimmers. Es gab Gläser mit silbernen Schrauben, die wie Regen klangen, wenn sie sie schüttelte. Weiche Drähte lagen in Schlaufen, rot, blau und gelb, wie Spaghetti. Ein freundlicher Computer namens Pip lächelte von einem hellen Bildschirm und sagte mit fröhlicher Stimme: "Hallo, Erfinder". Und auf dem Boden, nicht größer als eine Brotdose, rollte Blink, Miras winziger runder Roboter mit Gummibärchen-Rädern und zwei wackeligen Antennen.

"Heute", sagte Mira und tippte mit einem Stift an ihr Kinn, "bauen wir den Socken-Sortierer!"

"Piep! Socken sortieren", zwitscherte Blink und sauste hin und her. Er öffnete eine kleine Schublade in seiner Mitte. Darin waren Zahnräder, Aufkleber und ein sehr wichtiges Teil: ein glänzender blauer Knopf. Der Knopf würde den Socken-Sortierer starten, wenn alles bereit war.

Mira liebte Knöpfe. Sie liebte das Klicken, das Drücken, den kleinen Sprung, den ihr Herz machte, kurz bevor eine Maschine aufwachte. Sie wollte den glänzenden blauen Knopf zuerst drücken. Sie wollte dieses Klicken fühlen.

Sie lugte nach links. Sie lugte nach rechts. Blink war beschäftigt Socken zu zählen. Pip summte eine sanfte Melodie. Schnell wie ein Flüstern ließ Mira den blauen Knopf in ihre Tasche gleiten.

Sie bauten zusammen. Blink hielt Schrauben, während Mira den winzigen Schraubenzieher drehte. Pip zeigte ein Bild von zwei Socken auf dem Bildschirm. "Pasi-pasi", sang Pip. Sie machten eine Rutsche für Socken und einen weichen Korb am Ende. Als sie fertig waren, stand der Socken-Sortierer auf vier kleinen Füßen, ordentlich und stolz.

"Knopf, bitte", sagte Blink und öffnete seine Schublade.

Er blinzelte. Die Schublade war leer. "Fehlt: blauer Knopf", sagte er.

Miras Bauch machte einen winzigen Dreher. Sie tätschelte ihre Tasche und fühlte die kühle, runde Form. "Ähm...", sagte sie, und ihre Worte wackelten. "Vielleicht ist der Knopf unter den Teppich gerollt."

Pips Bildschirm flackerte zu einer Karte mit einer leuchtenden Linie. "Suche unter Teppich", sagte Pip freundlich.

Blink sauste zum Teppich und hob dessen Ecke mit seinem kleinen Arm hoch. "Kein Knopf", sagte er. "Piep. Neue Idee?"

Miras Wangen fühlten sich warm an. "Vielleicht ist er in den Schuh gehüpft", sagte sie und zeigte darauf.

Blink steckte seine Antennen in den Schuh. Er nieste. "Kein Knopf", sagte er und blinzelte Staub aus seinen Augen.

Sie schauten hinter die Pflanze, unter das Sofa und in die Spielzeug-Teekanne. Pip zeigte ihnen Pfade wie Glühwürmchenspuren. Blink surrte und zoomte, seine Räder wurden schneller und schneller. Aber es gab nirgendwo einen blauen Knopf, weil der blaue Knopf gar nicht verloren war.

Mira beobachtete, wie Blink sanft gegen ein Kissen stieß und sich leise seine Nasen-Lichter anstieß. Ihr Bauch machte einen weiteren Dreher, größer jetzt, wie ein Knoten. Sie steckte ihre Hand in ihre Tasche und fühlte wieder den glatten Knopf. Sie lauschte Blinks kleinem Motor, Pips hoffnungsvollem Summen, ihrem eigenen pochenden Herzen.

"Stopp", sagte sie, sehr leise. Dann lauter: "Stopp."

Blink hielt inne. Pip machte ein winziges Fragezeichen auf dem Bildschirm.

Mira holte tief Luft. "Ich habe den Knopf", sagte sie. "Ich habe ihn in meine Tasche gesteckt, weil ich ihn zuerst drücken wollte. Es tut mir leid."

Das Zimmer wurde für einen Augenblick ganz still. Dann wippten Blinks Antennen. "Danke für wahre Worte", sagte er mit seiner hellen, piepsigen Stimme. "Wahre Worte helfen meiner Karte."

Pip zeichnete eine neue Linie, direkt zu Mira. "Gefunden", sang Pip mit einem glücklichen kleinen Triller.

Ende

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