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Das Windboot

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Das Windboot

Mira stand im Hof und sah ihren roten Schal flattern. Der Wind zog daran wie ein Spielkamerad. Da sprudelte eine Idee in ihrem Bauch.

– Ich baue ein Windboot! sagte Mira.

Sie rollte den Wäschekorb hervor und befestigte einen blauen Regenschirm als Segel. Ein Kochlöffel wurde das Ruder. Ihr Schal wurde eine starke Leine. Der Igel Kotte lugte aus einem Busch hervor und kicherte.

– Die Stacheln sind bereit, Kapitän! sagte Kotte.

Der Spatz Pip hüpfte auf den Rand des Wäschekorbs, plusterte seine Federn auf und zwitscherte.

– Ich werde aus der Luft spähen!

Der Wind packte das Segel mit einem fröhlichen Wusch. Das Windboot glitt über den Rasen wie ein Boot auf einem grünen Meer. Löwenzahnsamen nickten. Kleine Duftwolken von Walderdbeerblüten folgten ihnen.

Plötzlich wirbelte ein Umschlag vom Himmel herab und landete in Miras Schoß. Auf der Vorderseite war eine kleine Briefmarke mit einer Eichel. Dort stand: Zum Baumhaus, schnell!

Mira und Kotte sahen sich an. Pip blickte zum Himmel.

– Eine Mission, piepste Pip.

– Wir liefern, sagte Mira. Windboot, volle Fahrt!

Sie drehten in Richtung der Wiese hinter der Scheune. Das hohe Gras stand wie ein weicher Wald und flüsterte Geheimnisse. Bald blieb der Wäschekorb in Halmen stecken, die wie lange, greifende Finger waren.

– Autsch, ich bleibe in allem stecken, murmelte Kotte, aber dann lächelte er. – Ich kann einen Pfad rollen.

Er rollte vorsichtig vor dem Boot her. Seine Stacheln schoben die Halme beiseite und machten einen kleinen Tunnel. Das Windboot rauschte hindurch. Das Gras kitzelte an Miras Ellbogen. Der Wind jodelte.

Nach dem Gras glitzerte ein Bach. Er war nicht groß, aber breit genug, um ihre Herzen ein wenig höher schlagen zu lassen.

– Das Wasser sieht aus wie Fischschuppen, sagte Mira. – Schaffen wir das?

Pip flog über den Bach und zeigte mit seinem Flügel auf drei runde Steine.

– Dort! Ein tanzender Pfad.

Mira steuerte. Der Wind pustete. Der Wäschekorb plumpste ins Wasser, trieb aber so sanft wie eine Seerose. Sie glitten langsam zwischen den Steinen hindurch. Kotte hielt den Atem an, bis sie drüben waren, und kicherte dann so, dass seine Stacheln wackelten.

– Boot und Bad in einem! sagte er.

Auf der anderen Seite erhob sich ein Hügel, gekleidet in Heidekraut und Lieschgras. Der Wind wurde müde, wie ein Gähnen.

Ende

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