Geschichtenbot
Clover und das Band
Auf einer hellgrünen Wiese versammelte sich die Herde bei der großen, sich biegenden Weide. Butterblumen nickten in der Brise. Hufe pochten leise. Heute war der Band-Lauf.
Bracken, der weise braune Anführer, hob ein langes rotes Band mit seinen Zähnen hoch. Es leuchtete wie ein Streifen Sonnenaufgang. "Wir tragen dies zum Hügeldorf", sagte er. "Bindet es an das Willkommenstor, und die Parade kann beginnen."
Clover, ein kleiner Apfelschimmel mit schnellen Ohren und einem noch schnelleren Herzen, trat vor. "Ich kann es tragen", sagte sie. Ihr Schweif wedelte vor Aufregung und Stolz. Brackens Augen waren freundlich. "Ruhige Schritte, Kleine. Wir reiten zusammen."
Los ging es: Bracken vorne, der große Sorrel dahinter, die sanfte Nettle an der Seite und Clover in der Mitte mit dem Band über dem Hals. Vögel stoben aus dem Gras auf. Ein Bach plapperte. Die Sonne wärmte ihre Rücken.
Sie trabten an einem Brombeergestrüpp vorbei. Die Büsche trugen winzige Haken und helle Beeren wie Knöpfe. Clover blickte auf eine blaue Libelle, die über dem Wasser tanzte. Sie lächelte sie an und vergaß die Büsche.
Ritsch.
Das Band verfing sich an einem Dorn. Clover quiekte und riss sich frei. Ein kleiner Riss zeigte sich, wie ein kleiner Mund, der "Oh!" sagte.
Clovers Wangen wurden heiß, obwohl Pferde nicht wirklich rot werden. Sie steckte das zerrissene Stück unter den Rest des Bandes. Ihr Herz klopfte, poch, poch. Nettle schaute herüber. "Alles in Ordnung, Clover?"
"Ja", sagte Clover. Dann leiser, zu ihren eigenen Hufen: "Ich glaube schon."
Sie erklommen den sandigen Hang zum Kamm. Wind rauschte über den Gipfel und zerrte an Mähnen und Schweifen. Er zerrte auch am Band.
Flatter, flatter.
Die zerrissene Stelle flatterte und weitete sich. Clover hielt an. Die Herde wurde mit ihr langsamer. Der Wind wurde für einen Atemzug still.
Clover nahm einen tiefen Zug von kleeduftender Luft. "Bracken", sagte sie. Ihre Stimme war klein, aber fest. "Ich habe das Band an einem Dornenstrauch hängen lassen. Ich habe es versteckt. Ich wollte uns nicht aufhalten. Es tut mir leid."
Die Herde stand still. Ein Grashüpfer sprang. Eine Wolke glitt vorbei.
Bracken ging zurück und berührte mit seiner Nase Clovers Wange. "Danke, dass du es uns gesagt hast", sagte er. "Wahrheit ist ein klarer Pfad. Jetzt können wir helfen."
Sorrel spähte auf den Riss. "Er ist nicht zu groß. Wir brauchen eine Reparatur, die den Hügel hinunterfliegen und trotzdem großartig aussehen kann."
Nettle zuckte mit den Ohren in Richtung des Feldes unten. "Wildblumen", sagte sie. "Weiches Gras auch. Wir können weben."
Sie trabten hinunter zu einer Wiese mit langem Grün und Farbtupfern. Clover legte das Band vorsichtig ins Gras. Die Herde zupfte lange Halme und pflückte Blumen mit sanften Lippen – gelbe Butterblumen, weiße Gänseblümchen, rote Kleeköpfe.
Nettle zeigte ihnen, wie man dreht und flicht. Clover schaute zu, dann machte sie mit. Über, unter, ziehen. Der Riss verschwand in einem hellen, geflochtenen Flicken. Das Band war jetzt länger und noch schöner, mit kleinen Blütenblättern, die wie Lächeln hineingesteckt waren.
Clover atmete die Sorge aus, die sie getragen hatte. Es fühlte sich leicht an, wie ein Blatt, das einen Zweig loslässt.
"Bereit?", fragte Bracken.
"Bereit", sagte Clover.
Sie galoppierten weiter, Hufe trommelten, das Band wehte rot und grün und gold hinter ihnen her. Über den Kamm, durch die flüsternden Kiefern, über die Planken der Bachbrücke gingen sie.
Das Hügeldorf kam in Sicht – bemalte Zäune, ein Tor mit Holzherzen, Kinder, die Hüte schwenkten, Menschen, die klatschten. "Hier kommen die Pferde!", rief jemand.
Clover trabte zum Willkommenstor. Sie hob ihren Kopf hoch. Nettle und Sorrel halfen, das Band zu einer stolzen Schleife zu binden. Der Zopf leuchtete wie eine kleine Wiese, gefangen in einer roten Umarmung.
"Es ist wunderschön!", rief ein Kind. "Wie hat es Blumen bekommen?"
Brackens Augen funkelten. "Eine gute Straße. Ein bisschen Wind. Ehrliche Worte. Und kluge Freunde", sagte er.
Clover lehnte sich an Nettle. "Ich hatte Angst", flüsterte sie. "Aber es euch zu sagen, fühlte sich besser an als es zu verstecken."
Nettle stupste sie an. "Wahrheit lässt Hilfe dich finden", sagte sie.
Die Glocke läutete. Musik begann. Die Parade zog durch das Tor, und das Band flatterte stolz. Clover trabte neben Bracken mit leichten Schritten und einem leichten Herzen, das Lachen der Herde wie Hufschläge und Gesang.
Auf dem Heimweg tickten die Weidenblätter auf ihren Rücken wie Applaus. Clovers Ohren tanzten. Sie würde sich an das Zerren des Windes erinnern, an das Drehen des Zopfes und daran, wie stark eine kleine Wahrheit sein konnte.
Ende
